Martin Lagois-Fotowettbewerb 2016: Das war die Preisverleihung in Nürnberg

Die ganz unverfälscht abgebildete und gefilmte Realität war großes Anliegen von dem Medienpfarrer Martin Lagois, der von 1912-1997 lebte. Er ist der Namensgeber unseres Fotopreises, der jetzt in der Nürnberger Egidienkirche von Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler verliehen wurde. Der Beitrag von Kirche in Bayern gibt Eindrücke von der Preisverleihung und der Ausstellungseröffnung.

 

 

Förderpreis-Gewinner Erol Gurian lenkt mit seiner Fotoreportage den Blick auf das Leben syrischer Flüchtlingsmädchen im libanesischen Bekaa-Tal, in dem 400.000 Menschen in Zeltstädten leben. Die Kinder der Flüchtlinge müssen bei sengender Hitze Erntearbeiten verrichten oder werden von ihren Eltern als Ehefrauen verkauft. Erol Gurian erzählt in seinen Fotos von einem Projekt in einer sicheren Zone der libanesischen Non-Profit-Organsiation Beyond Association. Hier erhalten die Mädchen und Jungen gemeinsam die Chance auf Bildung. Schirmherrin Susanne Breit-Keßler: „Eine Möglichkeit auch für werdende Männer, zu begreifen, welche Kostbarkeit ein Mädchen, eine Frau ist.“

 

 

Die in Syrien geborene Sonja Hamad portraitiert in ihrer Arbeit Mädchen und junge Frauen, die sich den kurdischen Milizen angeschlossen haben. Die Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, erklärte: „Sonja Hamads Frauen sind Kriegerinnen. Das mag erschrecken, wer Mädchen und Frauen auf traditionelle Verhaltensmuster festlegt. Aber wahr ist doch auch: Kein Land kann Respekt für sich einfordern, das seinen Mädchen und Frauen Freiheit nimmt. Kein Mann besitzt wahre Würde, der Mädchen und Frauen demütigt, zerbricht und tötet. Was bleibt, wenn einem Menschenrechte verwehrt bleiben.“ Die Frauen auf den Fotos strahlten Entschlossenheit und Verwundbarkeit aus.

 

 

Die Fluchtgründe für kurdische Frauen sind sehr verschieden. Sie leiden unter dem patriarchalischen Familiensystem, fühlen sich durch den türkischen Staat unterdrückt oder werden durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ gepeinigt und verfolgt. Ausgehend von ihrer  eigenen Lebensgeschichte möchte Hatice Ogur die Schicksale von Frauen dokumentieren, die fliehen. Für ihr Langzeitprojekt „Jin“, was im Kurdischen „Frau“ und „Leben“ bedeutet, hat sie vier Wochen in Städten und Flüchtlingscamps im Irak und in der Türkei recherchiert.


 

 

Die Ausstellung zum Fotowettbewerb ist noch bis zum 20. November in der St. Egidien Kirche (Nürnberg) täglich von 9 Uhr bis 17 Uhr für Besucher zu besichtigen.