Parfum, Reggae oder Blaudruck: 47 Traditionen stehen zur Wahl für die UNESCO-Liste "Immaterielles Kulturerbe"

Blaudruck immaterielles Kulturerbe
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Vom 26. November bis 1. Dezember trifft sich der internationale UNESCO-Ausschuss für Immaterielles Kulturerbe in Port Louis, Mauritius. 47 Bräuche und Traditionen aus der ganzen Welt sind für die Aufnahme in die offizielle Liste Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen. Sie gilt es nun näher anzusehen und zu entscheiden, ob sie den Aufnahmekriterien der UNESCO entsprechen. Welche das sind und womit sich die Tagung sonst noch befasst, lesen Sie hier.

Welche Kulturformen sind nominiert?

Für die "Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit" stehen in diesem Jahr 47 Kulturformen zur Wahl. Unter anderem finden sich in den Vorschlägen die Parfumherstellung in Frankreich, der Parrandas-Karneval in Kuba, das Lawinen-Risikomanagement in Österreich und der Schweiz oder die Reggae-Musik aus Jamaika.

Deutschland hat gemeinsam mit Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei die jahrhundertealte Technik der Stoffveredelung, den sogenannten Blaudruck, eingereicht. Die handwerklich-künstlerische Technik wird noch heute von jungen Designern für Mode-Kollektionen in Zusammenarbeit mit Blaudruck-Werkstätten angewandt. Vielleicht ergänzt der Blaudruck schon bald die bisher 399 Formen Immateriellen Kulturerbes auf der UNESCO-Liste aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken.

Was bedeutet ein Platz auf der UNESCO-Liste für Immaterielles Kulturerbe?

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen aus der ganzen Welt. Aus Deutschland kommen zum Beispiel der Orgelbau und die Orgelmusik, aus Argentinien und Uruguay der Tango. Auch die traditionelle chinesische Medizin oder die italienische Geigenbaukunst sind Teil Immateriellen Kulturerbes.

Nach welchen Kriterien verläuft die Auswahl?

Nach Angaben der UNESCO müssen die Antragsteller nachweisen können, dass ihr vorgeschlagenes Brauchtum tatsächlich noch gelebt und praktiziert wird und somit zur Identität einer Gruppe von Menschen beiträgt. Zudem verpflichten sich die Staaten, zu deren Terrain ein Immaterielles Kulturerbe gehört, es zu fördern und Maßnahmen zu seinem Erhalt zu entwickeln.

Was steht außerdem auf der Tagesordnung?

Im Rahmen seiner 13. Tagung wird sich der Ausschuss auch mit dem Thema Immaterielles Kulturerbe in Katastrophenfällen auseinandersetzen - wie etwa Naturkatastrophen oder Konfliktsituationen.

Welche Länder sind Teil des UNESCO-Ausschusses zum Immateriellen Kulturerbe?

Bis 2018 sind 178 Staaten dem Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Aus ihnen wählte die UNESCO-Generalkonferenz ein Komitee aus 24 Staaten: Armenien, Aserbaidschan, China, Dschibuti, Guatemala, Jamaika, Japan, Kamerun, Kasachstan, Kolumbien, Kuba, Kuwait, Libanon, Mauritius, die Niederlande, Österreich, Palästina, die Philippinen, Polen, Sambia, Senegal, Sri Lanka, Togo und Zypern. Sie entscheiden jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes.